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Zusammenführung der kommunal gesteuerten Arbeitsansätze zur Vermeidung der Folgen von Kinder- und Jugendarmut

Wie die Verwaltung schreibt, bietet der jetzt angelegte Prozess zur Erarbeitung einer „Integrierten kommunalen Präventionsstrategie“ die Chance, die gesellschaftliche Teilhabe für Kinder, Jugendliche und Familien in Essen durch eine auf Dauer angelegte Strukturentwicklung zu erhöhen.

Das ist richtig und wichtig, wenn wir bedenken, dass hier in Essen leider immer noch sehr viele Kinder in Armut leben: im Nordviertel und in Altendorf sind es bspw. über 60% der Kinder. Obwohl sie selber überhaupt nichts dafür können, werden Kinder und Jugendliche bestraft. Das darf einfach nicht sein und dem müssen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln konsequent entgegen wirken.

Dabei sollte es nicht nur darum gehen, die Armut zu verwalten, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, sondern diese nachhaltig zu beseitigen.

Dazu fragen wir uns als linke Fraktion, wie aktuell die Liste der Stadtbezirke ist, in denen Kinder und Jugendliche besonders von Armut betroffen sind? Wir möchten darauf hinweisen, die Daten für eben diese Stadtteile gegebenenfalls zu aktualisieren.

Auf Seite 3 der Vorlage steht, dass sie die vorhandenen Ansätze zur Erhöhung der Teilhabechancen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien aufgreifen, qualitativ weiterentwickeln und mit den in der Zwischenzeit entstandenen Konzepten und Maßnahmen verknüpfen wollen. Hier möchten wir anmerken, dabei auch noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, was das für die Arbeit in den einzelnen Stadtbezirken bedeutet.

Bei der Bearbeitung neuer Ziel- und Maßnahmeplanungen ist uns als LINKE wichtig, dass diese stärker mit dem allgemeinen Ziel „Essen.Großstadt für Kinder“ verknüpft werden.

Hinzukommt, dass es dringend notwendig ist, neue Maßnahmen zu entwickeln, die sich auch an den Auswirkungen von Corona messen. Denn diese werden immer sichtbarer. Zwar werden sie regelmäßig im Rahmen der Postcoronastrategie dargestellt, sie erreichen aber nicht in jedem Fall alle Betroffenen und deren Finanzierung ist nicht immer über Bundes- und Landesmittel gesichert.

Bei der sich abzeichnenden und sich verschärfenden prekären sozialen Lage von Familien und Alleinerziehenden, die sich nicht nur mit der steigenden Inflation sowie den steigenden Mieten, Sprit- und Energiekosten erhöhen wird, brauchen wir bessere Frühwarnsysteme. Diese sollten mit Daten und Fakten unterlegt sein und aufzeigen, welche Leistungen vorgehalten werden und was gerade am meisten benötigt wird, damit wir wissen, wie Kinderarmut konkret in den einzelnen Stadtteilen aussieht.

Dabei kann es nicht nur um die Belange aus dem Bereich der sozialen Arbeit gehen, sondern es muss bereits im Bereich der Vereinsarbeit, der Stadtplanung und Quartiersgestaltung sowie dem Quartiersmanagement beginnen.

Trotzdem zeigt der vorgelegte Bericht insgesamt einen guten Zwischenstand. Er zeigt die gute Vernetzung der Akteure auf, die in den Jahren gewachsen ist sowie Arbeitsfelder in fast allen Bereichen.

Dabei macht der Bericht auch deutlich, dass die Möglichkeiten in der Kommune oftmals an Landesprogrammen sowie deren Umsetzung und Ausgestaltung hängen. Er zeigt aber auch, wo es ggf. notwendig wäre, mehr zur Verstetigung durch den Einsatz eigener Mittel beizutragen - und ja, das bedeutet Geld in die Hand zu nehmen.

Offen ist für uns eine Bestandsaufnahme, welche Angebote, die gut waren, verloren gegangen sind, wie z.B. das Kindergesundheitsmobil - aber auch, welche Angebote eines Ausbaus bedürfen und welche noch kurzfristig umgesetzt werden können, wie bspw. eine Mittagsversorgung.

Eine Möglichkeit kann darin liegen, stärker und schneller auf das zu reagieren, was aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit beschrieben und festgestellt wird: so werden Angebote zum Kochen seit Corona in den Einrichtungen besonders nachgefragt.

Insgesamt müssen wir uns stärker fragen, wie wir mit den bestehenden Ressourcen mehr machen und diese besser vernetzen können.

Und wir müssen uns den Fragen stellen,

  • wie wir den Bereich der Prävention nachhaltig stärken können;
  • wie wir frühe Hilfen auch in der Kindertagespflege stärker integrieren können;
  • und wie wir ggf. eine Zusammenarbeit von Familienzentren in Kitas und Kindertagespflege schaffen und finanzieren können.

Immerhin werden über 3000 Kinder in der Kindertagespflege betreut und über 500 in weiteren Angeboten wie Spielgruppen und Brückenprojekten -  ganz abgesehen von den ohnehin fehlenden Plätzen.

Letztlich benötigen wir mehr Maßnahmen, die Wirkungen zeigen, um Härtefällen entgegenwirken. Dazu müssen auch die BUT-Mittel schneller und einfacher die Familien erreichen. Dafür benötigen wir eine andere Politik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene: eine Politik, die nicht bei Kindern spart und für Waffen Geld bereitstellt.