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Büste von Karl Marx, gehauen von Will Lammert.

CDU blockt weiter bei Ehrung für Will Lammert

Die Ratsfraktion DIE LINKE. hat kein Verständnis dafür, dass die CDU erst in der Bezirksvertretung III die Benennung des Platzes am Südwestfriedhof in Fulerum nach dem Bildhauer Will Lammert abgelehnt hat und jetzt im Hauptausschuss die Entscheidung wieder verschoben hat. Mit Zustimmung der SPD soll sich der Ältestenrat mit dem Thema befassen. Dabei hat sich auch der Vorstand des Historischen Vereins Essen inzwischen einstimmig für die Umbenennung eingesetzt und Oberbürgermeister Thomas Kufen um Unterstützung gebeten.

„Während es dem Historischen Verein um die Würdigung des bedeutenden Künstlers Will Lammert geht, will die CDU-Fraktion seine politische Gesinnung als Kommunist nachträglich abstrafen“, so Gabriele Giesecke, Fraktionsvorsitzende DIE LINKE. „Das ist ein Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges und geschichtsvergessen. Mit ihrer Zustimmung zur Verschiebung fällt die SPD-Ratsfraktion der SPD im Essener Westen in den Rücken. Es ist unwürdig und ein Ding der Unmöglichkeit, wie die GroKo mit einem der wichtigsten Essener Künstler umgeht.“

Will Lammert ist auch nach Auffassung des Historischen Vereins Essen der bedeutendste Essener Bildhauer des vorigen Jahrhunderts. Er gehörte in den 1920er Jahren zur Künstlerkolonie Margarethenhöhe und stand für neue und innovative Kunst im Sinne des Folkwang-Gedankens. Seine Werke sind an einzelnen Stellen in dieser Stadt noch sichtbar. Viele seiner Kunstwerke wurden von den Nazis als „entartet“ eingestuft und vernichtet. Will Lammert wurde als unabhängiger Geist nicht nur von den Nazis verfolgt, sondern auch von der Sowjetunion in die Verbannung geschickt. Er durfte erst 1951 in die DDR ausreisen, wo er nach seinem Tod geehrt wurde. Das Ruhrmuseum hob erst kürzlich Will Lammert in einer Ausstellung zur Kunst auf der Margaretenhöhe hervor.

Horst Schippmann, Vorsitzender des Historischen Vereins, war bekanntlich bis zur letzten Wahlperiode Stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat.

„Der Platz am Südwestfriedhof ist ein guter Ort für den Namen Will Lammert“, so Heike Kretschmer, für DIE LINKE in der BV III. „Dort sind heute noch Werke von ihm zu sehen sind, andererseits haben die Nazis viele seiner Werke auf diesem Platz vernichtet. In der Bezirksvertretung hat die CDU sogar die Aufstellung einer Denkmaltafel abgelehnt, die auf unseren Antrag mehrheitlich beschlossen wurde. Das ist extrem kleingeistig-provinziell und zutiefst ideologisch.“

Der Text der Denkmaltafel wird aktuell vom historischen Verein zusammen mit dem Stadtarchiv erarbeitet.