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Heike Kretschmer

Heike Kretschmer: "Schaffung von multiprofessionellen Teams zur Unterstützung der Schulen"

Wenn, man den Hilferuf von 15 Essener Schulen an die Politik im Oktober 2017 im Rat erhört hätte, würde keine Notwendigkeit mehr bestehen, heute diese drei Anträge zu behandeln und zur Abstimmung zu stellen.

Bereits vor vier Jahren wurde durch die Schulformsprecher:innen die  Forderung laut und deutlich an die Adresse des Rates gerichtet: Unterstützt unsere Arbeit an den Schulen durch lehrerunterstützendes Personal im Interesse der Förderung von Kindern und Jugendlichen, wohlwissend, dass dies nicht kommunale Aufgabe allein, sondern auch Sache des Landes ist. Einer der konkreten Lösungsvorschläge der Pädagogen und Sozialarbeiterinnen zur Unterstützung bei ihrer täglichen Suche nach dem besten Weg für die schulische Entwicklung jedes Kindes war der Einsatz von multiprofessionellen Teams.

Zum Haushalt 2019 hat unsere Fraktion die Schaffung von 35 Planstellen für die Entwicklung von multiprofessionellen Teams beantragt. Hätte man diesem zugestimmt, würde man im Schulausschuss schon über erste Erfolge diskutieren können, wie man über stadteigene Maßnahmen, insbesondere im Essener Norden, mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung ermöglicht hat.

Umso mehr freut es uns, dass unsere erneute Initiative nun solche Resonanz und Hektik ausgelöst haben. Besser spät als nie, könnte man jetzt sagen und mit Blick auf die Kooperationsvereinbarung von CDU und Grünen müsste man meinen, jetzt aber alles auf Start für die multiprofessionellen Teams.

Bildung und Schule stehen an erster Stelle, was mich mal zu der kühnen Behauptung hinreißen lässt, dass die Umsetzung und das Vorweisen von Erfolgen ebenfalls in diesem Bereich an erster Stelle stehen sollten. Man spricht sogar in der Vereinbarung von multiprofessionellen Teams, will einen eigenen Schulsozialindex schaffen, was wir befürworten und für zwingend notwendig halten, wenn man von der Gießkannenförderung weg will.

Wenn man aber ihren Antrag liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen liest, fragt man sich, wozu die ganze Arbeit. Da machen Sie wieder das Glas nur halb voll, in dem sie wieder bei der Schulsozialarbeit stehen bleiben. Damit betrachten sie wieder nur einen Ausschnitt dessen, was für Personalbedarfe an den Schulen tatsächlich bestehen. Schulsozialarbeit ist eine wichtige Unterstützungsform vor Ort aber längst nicht alles.

Außer in der Überschrift wird in ihrem Antrag die Fachspezifik der multiprofessionellen Teams nicht behandelt. Schulsozialarbeit ersetzt nicht die Teams, die so, wie von uns und im SPD-Antrag beschrieben, es ermöglichen, zusammen mit Lehrerinnen und Lehrern, aber auch Eltern- und Schülervertretungen neue Lernformen und Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen. Teams, welche die ein mehr ermöglichen, als die bereits mit großem Einsatz und Engagement geleistete Schulsozialarbeit an den Schulen. Eine Arbeit die vor allem Kindern und Jugendlichen zu Gute kommen könnte und die Arbeit der Pädagogen unterstützt, sie ggf. auch entlastet.

Wenn ich schon einen stadteigenen Sozialindex ermitteln möchte, dann sollte man auch stadtspezifische und schulspezifische Kriterien entwickeln und nicht nur Vorgaben des Landes in den Blick nehmen. Für uns gehört dazu: der Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen, Schulabschlüsse, die Sprachförderbedarfe und die Sprachfähigkeiten, die Ausstattung der Schulen mit Lehrer:innen und die Klassenstärken.

Die Verlängerung der Fristensetzung auf die Zeit bis zur Sommerpause ist allein schon deshalb notwendig, weil unser Antrag schon mal eine Schleife durch die Gremien gezogen hat. Mit der sicherlich gleich erfolgenden Annahme des Koalitionsantrages vertun wir wieder eine Chance in der Großstadt für Kinder, die seit Jahren das Ziel hat, Kinderarmut zu beseitigen, in dem wir hier heute nur einen Teil dessen auf den Weg bringen werden, was möglich wäre und notwendig ist.

Dabei stehen die Voraussetzungen für den Einsatz, den Aufbau solcher Teams so günstig wohl wie selten in den letzten Jahren,

  • das Land hat Parameter für den Sozialindex ermittelt, die Schulen mit besonderen Bedarfen stehen damit auch für die Stadt Essen fest, an denen man sich orientieren kann bis der stadteigene, schulscharfe Sozialindex steht
  • der Erlass für den Einsatz von multiprofessionellen Teams für ein gemeinsames Lernen an weiterführenden Schulen seitens des Landes steht, der als Orientierung für die stadteigenen Lösungen dienen kann. Er gibt Richtwerte vor, wer an den Schulen unter welchen Voraussetzungen eingesetzt werden kann und welche Einsatzfelder sich für die Unterstützung der Arbeit an den Schulen ergeben. Diesen kann man übertragen auf alle Schulen der Stadt, auch auf Grundschulen.

Bereits jetzt wird durch immer mehr Rückmeldungen aus den Schulen, den Gewerkschaften, den Ärzten, Psychologen deutlich, dass die Bedarfe an unterstützenden Leistungen durch Corona nicht nur im Umfang gestiegen sind, sondern auch die Inhalte, die Palette der Förderbedarfe steigen werden. Deshalb ist es dringend notwendig, die Arbeit in diesen Bereichen im Interesse der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zeitnah anders aufzustellen und nicht erst innerhalb der Wahlperiode zu handeln.

Es kann nicht nur um ein Konzept zur Verteilung von Stellen gehen, die das Land bezahlt, sondern auch um Stellen, die die Stadt dann auch tatsächlich finanziert und das zeitnah.

Wir werden dem SPD-Antrag zustimmen, da er differenzierter unsere Forderung zur Bedarfsermittlung an den Schulen aufgreift und den Blick auf das breite Spektrum an vielfältigen Angeboten sozialer Arbeit, die Träger von Kinder- und Jugendarbeit lenkt.