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Shoan Vaisi

Bereitstellung von Menstruationsartikeln

Als linke Fraktion finden wir es richtig und notwendig, zeitnah die kostenlose Bereitstellung von Menstruationsartikeln in Schulen, Jugendzentren und öffentlichen Einrichtungen der Stadtverwaltung zu ermöglichen. Deshalb hätten wir auch schon dem Ursprungsantrag der SPD-Fraktion im März unsere Zustimmung gegeben.

Essen reiht sich damit in eine Vielzahl von Pilotprojekten ein, die in ganz Deutschland von Berlin bis Castrop Rauxel bereits gestartet sind. Im Rahmen eines solchen Projektes erst einmal die gemachten Erfahrungen an Schulen und anderen Einrichtungen zu bündeln macht Sinn, um die finanziellen Aufwände insgesamt besser abschätzen zu können.

Unverständlich für uns hat dieser Antrag zu heftigen Kritiken seitens der FDP im Ausschuss für Ordnung, Personal, Organisation und Gleichstellung sowie im Schulausschuss geführt. Kritiken, die aus unserer Sicht die Tragweite der Problemlage verkennt. Probleme, die insbesondere junge Mädchen, aber auch Frauen im mittleren und höheren Alter betreffen, wie Regelschmerzen, starke Blutungen und sonstige in der Zeit des Zyklus auftretende Symptome, wie bspw. Kopfschmerzen.

Wie dringend die Hinwendung zu dem Thema ist, zeigt die Feststellung auf dem FOKO, dem größten jährlichen frauenärztlichen Fortbildungskongress, der im Jahr 2021 zu dem Thema Regelschmerzen und deren Behandlung stattfand.

Hier wurde festgestellt, dass ungefähr jedes zehnte Mädchen so starke Schmerzen vor und während der Regelblutung hat, dass es in der Schule nicht mehr voll konzentriert ist. Andere Untersuchungen besagen, dass jede fünfte Frau, Schülerinnen einbezogen, so starke Regelschmerzen hat, dass sie jeden Monat einen Tag arbeitsunfähig ist oder in der Schule fehlt.

Dem wird nun beispielhaft in Spanien begegnet, wo Frauen nun von der Arbeit befreit werden können, wenn sie unter starken Regelschmerzen leiden. Dem sollten wir auch in Deutschland folgen, sodass das nun vorgebrachte Pilotprojekt nur ein Anfang sein kann.

Mit der Ausgabe von Menstruationsartikeln kann daher ein Angebot geschaffen werden, um zum einen der ohnehin völlig ungerechten finanziellen Mehrbelastung durch die Menstruation zu begegnen und zum anderen die möglichen Zugangsschwierigkeiten zu den entsprechenden Produkten zu verringern. Insbesondere für Mädchen und Frauen mit geringem Einkommen ist das ein wichtiger Beitrag zur Gleichstellung, auch um Periodenarmut vorzubeugen. Eine Studie belegt, dass jede vierte Betroffene an Hygieniearteikeln spart.

Dass die Bereitstellung von Menstruationsartikeln insgesamt positiv bewertet wird, zeigen Erfahrungen aus den Städten, die hier schon weiter sind - wen wundert das? Schülerinnen schätzen das Angebot, denn sie wissen, dass sie Menstruationsartikel bei Bedarf immer und unkompliziert erhalten können. Das gibt ihnen Sicherheit und sie haben keine Angst mehr, die Regel während der Schulzeit zu bekommen. Es hilft bestehende Schamgefühle im Umgang mit dem Erwachsenwerden, abzubauen und das Thema nicht nur auf der Seite der Mädchen und Frauen hinter vorgehaltener Hand zu besprechen.

Wir als LINKE werden den Prozess begleiten. Denn mit dem Pilotprojekt kann es nicht enden. Es muss stattdessen darum gehen, die notwendige kostenlose Bereitstellung von Menstruationsartikeln auf das ganze Stadtgebiet auszuweiten, wie das in Wiesbaden oder Leipzig bereits geschieht.