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Lichtwerbeanlage "ESSEN. DIE EINKAUFSSTADT"

Die für ein Jahr beabsichtigte Änderung der Lichtwerbeanlage über den Handelshof bewegt! – bewegt die Gemüter von Essenerinnen und Essener und uns im Rat, wie man den Anträgen dazu entnehmen kann.

 

Der eine fremdelt mit dem Begriff „Die Folkwangstadt“, die andere begrüßt es - alle haben eine eigene Wertung zur Bedeutung und der Rolle dieser Lichtreklame.

 

· Soll es das Begrüßungsschild für Touristen sein und die Rolle der Stadt in Europa betonen?

 

· Sollen neben den kulturhistorisch bereits untersuchten technischen und wirtschaftlichen Fakten, auch architektonische und städtebauliche Aspekte zum Tragen kommen?

 

· Wie viel Identität der Stadt und welche soll in den Begriff drinstecken?

 

· Was ist die Identität meiner Stadt für mich und wie wichtig ist es mir, dass sie in einer Leuchtreklame zum Ausdruck kommt?

 

Auf alle Fälle hat diese Vorlage eine mediale Aufmerksamkeit in der Presse und in den sozialen Medien erzielt, die ich manch anderem Thema in der Stadt ebenso wünschen würde.

 

Um es vorwegzunehmen: wir werden der temporären Änderung des Schriftzuges zustimmen, um auch an dieser Ecke der Stadt sichtbar auf dieses besondere Jubiläum hinweisen zu können und neugierig zu machen, auf das, was sich dahinter verbirgt und was in diesem Jahr alles passieren kann. Damit verbinden wir den Anspruch, den im Rat allseits bekannten Folkwang-Gedanken auch über das Jahr hinaus zu leben, auch wenn dann dort eine andere Schrift, vielleicht auch im neuen Design erstrahlen wird.

Den muss man dann möglicherweise auch bedeutend mehr googeln als Einkaufsstadt, aber was ist daran problematisch? Suchmaschinen sind ja da, um Wissenslücken zu schließen. Auch bei Folkwang kommt man bei weitem nicht gleich auf die Bedeutung „Kultur für alle!“, sondern landet erst einmal in der nordischen Mythologie und der Beschreibung für einen der Götterpaläste der Göttin Freya, der Göttin der Liebe und Ehe.  Aber zumindest der zweite Eintrag ist dann schon der Verweis auf das Museum und seine Sammlungen.

Ein Schriftzug, der allen Wünschen und Gedankenansätzen der Essenerinnen und Essener gerecht wird, werden wir nicht finden.

Trotzdem ist es uns ebenso wichtig, dieses Jahr zu nutzen, um über die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger einen Dialogprozess darüber zu starten und abzuschließen, was da später mal vom Dach prangen soll und in welcher Form.

Nur eben nicht so, wie es das Essener Bürgerbündnis vorschlägt. Da werden schon im Beschluss Vorgaben gemacht, wie die Zielrichtung möglicherweise sein könnte. Für uns ist das BürgerInnenbeteiligung mit Schranken! Was nicht heißt, dass sich die Politik nicht auch aktiv mit eigenen Vorschlägen dann in diesen Prozess einbringen sollte.

Mit ihrem Vorschlag ignorieren Sie auch die Tatsache, dass das Ruhrgebiet keine anmaßende und überhebliche Spaltung in Haupt- und Nebenstädte braucht. Dieses Kirchtumsdenken wollen wir eigentlich überwinden.

Wir halten den Ansatz der SPD eine Bürgerbeteiligung über ein Online-Portal zu machen für sinnvoll - eine Idee, über die wir auch nachgedacht haben.

Die satirische Idee „Essen.diese“ wäre die leichteste Lösung. Da kann sich dann jeder seinen Reim darauf machen, was sie oder er damit verbindet. Wenn man marketingtechnisch nicht nur auf die 32 000 Follower der Satireseite aufmerksam machen will, könnte man vielleicht mit der Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier in einen Austausch treten, ob sie nicht ihren Song „Di da!?!“ umschreiben, dann könnte man vielleicht von den 6 Millionen Aufrufen des Songs bei Youtube profitieren.

Im Ernst: Wichtig ist es doch, die eingangs aufgeworfenen Fragen zu klären und nicht an liebgewordenen Slogans, wie der Einkaufstadt für immer und ewig festzuhalten, wenn uns Städte wie Dortmund bei der Frage der beliebtesten und meist frequentierten Einkaufsstraße  überholen.

Wichtiger ist es, nicht so sehr über das Leuchten der Buchstaben zu diskutieren, sondern darüber, wie wir die Folkwang-Idee in den Stadtteilen sichtbarer machen, auch über die beschlossene, längst überfällige Diskussion zur Weiterentwicklung der kulturellen Bildung in der Stadt und die Präzisierung der Folkwang Dekade.

Grundsätzlich kann diese Leuchtschrift am Ende ein Baustein sein, um auf die Sammlungen sowie die Institutionen und auf KünstlerInnen und Künstler in der Stadt aufmerksam zu machen. Auf die Geschichte einer Sammlung und deren Verbindung in die Stadt über einen Zeitraum von 100 Jahren. Sichtbar an einem Haus, wo einst auch mal der Schriftzug prangte „Herzlich willkommen in der Waffenschmiede des Reiches!“, leuchtet dann ein Jahr lang einen Slogan, der für Vielfalt und Offenheit der Kunst für Alle steht.