WAZ übernimmt falsche Behauptungen bei RWE-Debatte
Die Linke fordert eine öffentliche Richtigstellung
Die Ratsfraktion Die Linke weist die Darstellung im WAZ-Beitrag „Rechtsradikalismus-Vorwürfe gegen RWE-Fans“ entschieden zurück. Die Behauptung, Mitglieder der linken Fraktion hätten in der Ratssitzung alle Fans von Rot-Weiss Essen als Rechtsradikale bezeichnet, ist falsch. Dennoch übernimmt der Artikel diese schwerwiegende Anschuldigung vom SPD-Fraktionsvorsitzenden, ohne sie anhand der öffentlich zugänglichen Aufzeichnung der Ratssitzung zu überprüfen und ohne der linken Fraktion vor der Veröffentlichung die Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben.
Wer sich die Rede der linken Co-Fraktionsvorsitzenden vollständig anhört, erkennt unmittelbar, dass sie weder den Verein noch seine gesamte Fanszene pauschal verurteilt hat. Sie sprach ausdrücklich von „Personen aus dem Umfeld der Fanszene“, von „organisierten rechtsextremen Strukturen“ sowie von Problemen „in Teilen seines Umfelds“. Zugleich forderte sie ausdrücklich die Unterstützung derjenigen RWE-Fans, „die sich seit Jahren antifaschistisch engagieren und sich dieser Entwicklung entgegenstellen“.
Dazu Liesa Schulz, Co-Fraktionsvorsitzende für Die Linke im Rat der Stadt Essen:
„Unsere Kritik richtet sich nicht gegen Rot-Weiss Essen oder seine Fans. Wir erwarten jedoch, dass der Verein die Hinweise auf organisierte rechtsextreme Strukturen in Teilen seines Umfelds ernst nimmt, die Problematik klar anerkennt und konsequent gegen rechte Akteure vorgeht. Anlass hierfür waren unter anderem die Recherchen des ARD-Magazins „Monitor“, das über den wachsenden Einfluss und die Vernetzung rechtsextremer Akteure in Fußball-Fanszenen berichtet hat.
Ebenso wenig lehnen wir einen Ausbau des Stadions an der Hafenstraße grundsätzlich ab. Wir kritisieren jedoch die erheblichen Kostensteigerungen von vielen Millionen Euro und stellen die Frage, welche Investitionen eine Stadt in angespannter Haushaltslage zuerst tätigen sollte. Während bei sozialen Angeboten gekürzt wird und wichtige Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, halten wir Investitionen in Kitas, Schulen, Schwimmbäder und die soziale Infrastruktur für dringlicher. Eine Stadt zeigt ihre Größe nicht durch die Höhe ihrer Tribünen, sondern durch die Stärke ihres sozialen Zusammenhalts.“
Die Art und Weise, wie die WAZ eine ungeprüfte Behauptung zur Grundlage ihrer Überschrift, ihres Artikels und ihrer Beiträge in den sozialen Netzwerken gemacht hat, wird journalistischer Sorgfalt nicht gerecht. Sie erzeugt Empörung auf einer falschen Tatsachengrundlage, verschärft gesellschaftliche Auseinandersetzungen und kann Anfeindungen gegen demokratisch gewählte Mandatsträgerinnen befeuern.
Dazu Eliseo Maugeri, Co-Fraktionsvorsitzender für Die Linke im Rat der Stadt Essen:
„Wir fordern die WAZ auf, den Beitrag in seiner gegenwärtigen Form zurückzuziehen, die falsche Darstellung in der Überschrift, im Artikel und in den dazugehörigen Beiträgen in den sozialen Netzwerken öffentlich richtigzustellen und eine korrigierte Fassung unter Einbeziehung unserer tatsächlichen Aussagen zu veröffentlichen. Wir erwarten, dass künftig vor der Verbreitung derart schwerwiegender Vorwürfe die öffentlich zugänglichen Quellen geprüft und die Betroffenen für eine Stellungnahme angefragt werden. Auch von der SPD und ihrem Fraktionsvorsitzenden erwarten wir eine Richtigstellung. Unsere Kritik an Rechtsextremismus und an der Verwendung öffentlicher Gelder lassen wir uns nicht durch falsche Behauptungen und Berichterstattungen umdeuten.“
Die betreffende Rede kann im Sitzungsarchiv der Stadt Essen in der Aufzeichnung der Ratssitzung vom 8. Juli 2026 zwischen 6:31:30 und 6:37:00 vollständig nachvollzogen werden.
