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Anträge


Erhalt des historischen Gebäudes Villa Ruhnau

die Fraktion LINKE und die Ratsgruppen TIERSCHUTZ und PARTEI beantragen, die Bezirksvertretung IX erhebt keine Bedenken, der Fachausschuss ASPB empfiehlt, der Rat beschließt:

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, für die Flurstücke 118 und 119 Am Bögelsknappen in Essen-Kettwig schnellstmöglich ein Bauleitplanverfahren einzuleiten, um einen Bebauungsplan aufstellen zu können.
  2. Der Bebauungsplan soll die baukulturelle Erhaltung des Ortsbildes und seine Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der vorhandenen Freiflächen und Umgebungsbebauung und den Bestand der historischen Villa Am Bögelsknappen 1 sichern, ggfs. im Rahmen einer Erhaltungssatzung. Er soll insbesondere die Entwicklung der vorhandenen Freiflächen in ein angemessenes Verhältnis zur vorhandenen und einer etwaigen zukünftigen Bebauung setzen. Gleichzeitig sollen durch einen solchen Bebauungsplan Unsicherheiten in der bauplanungsrechtlichen Beurteilung zukünftiger Bauvorhaben im fraglichen Bereich ausgeräumt werden.
  3. Die Verwaltung wird beauftragt, zur Sicherung der Bauleitplanung eine Satzung für eine Veränderungssperre zu erarbeiten und dem Ausschuss, der Bezirksvertretung IX und dem Rat der Stadt bis zum 24.02.2021 zur Befassung/zum Beschluss vorzulegen.

 

Begründung:

Ein Investor will die historische Villa am Bögelsknappen 1 in Essen-Kettwig abreißen, mehr als 1500 qm guten, bezahlbaren Wohnraum, jahrhundertealten Baumbestand und bewaldete Grünflächen zerstören.

An deren Stelle ist eine maximale Bebauung mit Luxusimmobilien seines des Investors geplant. Die Abrissanzeige liegt bereits vor.

Die Denkmalschutzwürdigkeit der Villa in ihrem von altem Baumbestand geprägten Park ist aktuell umstritten. Die akut bedrohte, geschichtsträchtige Gebäudepersönlichkeit ist ein identifikatorischer Ort, mit dem die Lebensgeschichten vieler Kettwiger verwoben sind: Das Haus wurde 1905 als Ausflugslokal gebaut, 1920 zum Kinderkrankenhaus umgewidmet. Ab 1970 war es Ärztehaus und Musikschule. Auch in der Ära des Architekten Werner Ruhnau blieb es als Kunst-Ort immer Bestandteil des öffentlichen Lebens: Neben Wohnungen und Büros beherbergte es Ateliers, Galerien sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Das hintere, noch im Besitz der Stadt befindliche Grundstück gehörte bis in die 1980er Jahre zum Landschaftsschutzgebiet. Dann entstand in provisorischen Containern ein Jugendzentrum, später eine Kindertagesstätte, die 2010 ausbrannte.

Das ortsbildprägende Ensemble aus Architektur und Natur ist seit über 115 Jahren ein „Herzstück“ von Kettwig. Der umgebende Wald und die Grünanlagen begründeten Kettwigs Ruf als Gartenstadt.

Denkmalschutz

Bei den bisherigen Prüfungen auf Denkmalwürde berücksichtigte die Essener Behörde das Identitätsstiftende dieses Ortes in keiner Weise! Vielmehr listete sie explizit ausschließlich Veränderungen auf, die angeblich gegen den Denkmalschutz sprechen.

Jedoch legt die bereits 2005 unterzeichnete „Convention of Faro“, die europaweit Rahmenrichtlinien für den Denkmalschutz definiert, die Rechte der Bürger auf Teilhabe am kulturellem Erbe fest: Dem Identifikatorischen ist demnach ein hoher Wert beizumessen. Die Frage, wieviel original erhalten ist, ist untergeordnet. Im Gegenteil: Die Veränderungen könnten ebenso gut als Spiegel der Historie des Gebäudes gelesen und zur Begründung des Denkmalwertes herangezogen werden. Das Denkmalschutzgesetz sieht ausdrücklich vor, Objekte zu schützen, die in besonderer Weise Ausdruck der Entwicklung von Land und Leuten sind. Die Entscheidungen der Essener Denkmalbehörde beruhen auf einem veralteten Ansatz - und sie sind rechtswidrig.

Bebauungsplan

Ziel des Bebauungsplans ist es, das vorhandene Ortsbild des Ensembles aus Architektur und Natur am Standort Bögelsknappen baukulturell zu erhalten und weiter zu entwickeln. Dabei soll die wechselhafte Geschichte des im Heimatstil errichteten Gebäudes weiterhin erkennbar und nachvollziehbar bleiben.

Diese Zielsetzungen zählen zu den Grundsätzen einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung: Bauleitpläne sollen die städtebauliche Gestalt und das Orts- und Landschaftsbild baukulturell erhalten und entwickeln. Dabei sind unter anderem die Belange der Baukultur, des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, die erhaltenswerten Ortsteile, Straßen und Plätze von geschichtlicher, künstlerischer oder städtebaulicher Bedeutung und die Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes zu berücksichtigen.

Beim aufzustellenden Bebauungsplan sind daher ebenfalls die Umgebungsbebauung und die bewaldeten Grünflächen im Umfeld zu beachten: Der Bögelsknappen ist eine enge Anliegerstraße. Abgesehen von der historischen Villa besteht die Bebauung am Bögel überwiegend aus Einfamilienhäusern und nur zwei Mehrfamilienhäusern mit drei beziehungsweise vier Wohneinheiten. Zum Umfeld gehören zudem intakte, bewaldete Grünflächen, die auch Habitate für zahlreiche, teils geschützte Wildtiere sind. Direkt an die von altem Baumbestand umgebene Villa und das angrenzende bewaldete Flurstück der Stadt erstreckt sich ein Landschaftsschutzgebiet. (Text aus Petition Ruhnau mit freundlicher Genehmigung der BI Nachbarschaft Bögelsknappen).