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Anträge


Ausschuss für Stadtentwicklung, -planung und Bauen

Tentativliste für zukünftige UNESCO-Welterbestätten: "Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet"

Nicht nur Zollverein, sondern die ganze industrielle Kulturlandschaft Ruhr ist einzigartig. Sie ist die größte in Europa und stellt für die Region nach wie vor ein internationales Alleinstellungsmerkmal dar. Entsprechend besuchen viele der Tourist*innen, die Zollverein als ersten Anlaufpunkt in der Region besuchen, schon heute auch andere Stätten in der Region.

Die Ratsfraktion DIE LINKE beantragt, der Ausschuss für Stadtentwicklung, -planung und Bauen empfiehlt, der Rat der Stadt beschließt in Abänderung des Beschlussvorschlages der Verwaltung:

Der Rat der Stadt Essen unterstützt den von der Stiftung für Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur mit Datum vom 14.01.2021 beim Land NRW eingebrachten Antrag zur Bewerbung der „Industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ als UNESCO-Welterbe. Die Stadt Essen, die mit Zollverein seit fast 20 Jahren eine Weltkulturerbestätte hat, hält es für sinnvoll und an der Zeit, die einzigartige Industrielandschaft des Ruhrgebietes entsprechend zu würdigen.

Begründung:

Nicht nur Zollverein, sondern die ganze industrielle Kulturlandschaft Ruhr ist einzigartig. Sie ist die größte in Europa und stellt für die Region nach wie vor ein internationales Alleinstellungsmerkmal dar. Entsprechend besuchen viele der Tourist*innen, die Zollverein als ersten Anlaufpunkt in der Region besuchen, schon heute auch andere Stätten in der Region. Dabei steht die industrielle Kulturlandschaft Ruhr nicht für Altes, Vergangenes, sondern spätestens seit der Internationalen Bauaustellung Emscherpark (IBA) in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts für Wandel und Transformation. Die von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur erarbeitete Bewerbung zielt gerade auf diesen Aspekt. „Wandel durch Kultur“ war auch das Motto der Europäischen Kulturhauptstadt Essen für das Ruhrgebiet 2010.

Die Stiftung hat eine Auswahl von repräsentativen und beispielhaften Denkmälern, Orten und Landschaftszügen getroffen, die ihren Ursprung vor allem in der Zeit zwischen 1850 bis 1960 haben, lässt ihre Entwicklung aber nicht außen vor. 

Die zusätzlich zu Zollverein für Essen vorgesehenen Standorte würden auch für Essen eine hochinteressante Erweiterung der Wertschätzung bedeuten, die ein Weltkulturerbe bedeutet. Um zu verdeutlichen, wie sehr die industrielle Kulturlandschaft von linearen Strukturen wie Flüssen und Bahnlinien sowie von Flächenelementen wie Grünzügen und Halden geprägt wird, sollen die ausgewählten Monumente und Siedlungen an diese angebunden sein. Einschließlich der Pufferzonen sind etwa drei Prozent des Gebiets des Regionalverbands Ruhr betroffen, wobei räumliche Cluster gebildet werden.

Die Renaturierung der Emscher ist ebenfalls Teil der Bewerbung. Damit ist eins der wichtigsten Projekte der Region, das für wegweisenden, ökologischen Umbau steht, ausdrücklich Teil der Bewerbung. Diese Verbindung von Altem und Neuem, der Wandel schafft auch bei der Neu- bzw. Umnutzung und Weiterentwicklung der Standorte die notwendige Flexibilität.

Nachdem die Kultusministerkonferenz im Herbst 2019 beschlossen hat, ein neues Bewerbungsverfahren zur Aufnahme in die deutsche Tentativliste einzuleiten, hat die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur Anfang 2020 erstmals Kontakt mit den Kommunen aufgenommen. Es ist kritikwürdig, dass die Verwaltung die politischen Gremien erst jetzt in die Diskussion einbezieht. Zudem wurde die Vorlage so spät vorgelegt, dass eine ausreichende Befassung in den Fachausschüssen nicht möglich war. Dieser Umgang sollte jedoch keineswegs dazu führen, dass der Bewerbungsprozess einseitig „gegen die Wand gefahren“ wird.

Mit der vorliegenden Bewerbung wird die Region gestärkt, die auch wirtschaftlich hochinteressante Entwicklung des Tourismus ebenso wie die interkommunale Zusammenarbeit. Diese Chance sollte die Stadt Essen ergreifen. Den inzwischen von den meisten Städten und Kreisen der Region zumindest durch die Verwaltungsspitzen unterstützten Bewerbungsprozess darf die Stadt Essen nicht einseitig torpedieren. Das könnte in der Region leicht als Egoismus ausgelegt werden. Die Unterstützung der Bewerbung ist auch ein Gebot des Zusammenhalts und der Solidarität in der Region.